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"Berufskraftfahrer - Fit für's 21. Jahrhundert", 15 April 2013, Berlin (DE)

Die DEKRA Akademie und MOVING laden zum Workshop nach Berlin

Berlin, April 2013: Die Qualität der Aus- und Weiterbildung von Berufskraftfahrern bedarf dringend einer  Revision. Der europäische Binnenmarkt und die rapide Zunahme grenzüberschreitender Gütertransporte und Personenbeförderung macht standardisierte Aus- und Weiterbildungsprogramme, aber auch eine grundsätzliche Qualitätsüberprüfung der aktuellen Formate unausweichlich. Das ist das wichtigste Fazit des nationalen Abschlussworkshops “Berufskraftfahrer – Fit fürs 21. Jahrhundert?“ im Rahmen des EU-Projekts Professional driving - more than just driving! (ProfDRV). ProfDRV wird für Deutschland von der DEKRA Akademie organisiert. In den Räumlichkeiten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Berlin diskutierten am 15.04.2013 über 50 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Berufsbildung über die Berufskraftfahrerqualifikation in ganz Europa und insbesondere in Deutschland. Den Rahmen der Diskussion bildeten die Ergebnisse und Forderungen von ProfDRV.

Ausrichtungspartner dieses Workshops ist der Verband der Verkehrsverlage, MOVING International Road Safety Association e.V. (Berlin), der in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) auch die nationale ad hoc-AG Berufskraftfahrer (BKF) organisiert. In diesem seit Herbst 2012 bis voraussichtlich Frühjahr 2014 tagenden Gremium untersuchen Ministerien, Behörden, Industrie- und Handelskammern und weite Teile der BKF-Ausbilderschaft sowie Transport- und Logistikbranche gemeinsam den aktuellen Sachstand rund um das Thema Berufskraftfahrer.

Die Grundanforderungen  sowohl an die Grundqualifikation als auch an die  Weiterbildung von Berufskraftfahrern sind durch europäisches Recht (Richtlinie 2003/59) und das deutsche Berufsfahrerqualifikationsgesetz (BKrFQGS) vorgegeben. Die Hauptproblematik, welche die Umsetzung des geltenden Rechts behindere, liege in den extremen Unterschieden der Kraftfahreraus- und Weiterbildung in den einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten, so der einhellige Tenor der Experten. Diese Unterschiede sorgten nicht nur für massive Wettbewerbsverzerrungen zwischen den einzelnen Staaten und Unternehmen, sondern gefährdeten auch die Verkehrssicherheit und damit die geordneten Verkehrsflüsse auf europäischen Straßen. Wir in Deutschland als dem Transitland Nr. 1 haben daran ein besonderes Interesse.

Eine bloße europaweite Standardisierung der Aus- und Weiterbildungskontrolle, wie sie von einer Reihe von Experten gefordert wurde, kann laut Vertretern von ProfDRV die Probleme jedoch nicht lösen. Vielmehr käme es darauf an, die Qualität der Programme europaweit zu verbessern. Um sowohl die gewünschten Qualitätssteigerungen als auch eine weitgehende Standardisierung zu erreichen, sei es laut ProfDRV ratsam, die nationalen Aus- und Weiterbildungen eng an den Kriterien des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) auszurichten: Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) solle gewissermaßen als Übersetzungsinstrument fungieren, der nationale Qualifikationen europaweit verständlich mache und so die grenzüberschreitende Mobilität von Beschäftigten und Lernenden und deren lebenslanges Lernen fördert.

Neben der Aus- und Weiterbildung wurden auch  andere Probleme angesprochen. Insbesondere der bereits akute Fahrermangel wurde zum Thema zahlreicher Diskussionen. Hier kam die Expertenrunde zu dem Schluss, dass es zwingend notwendig sei, den Beruf des Kraftfahrers für neue Bewerber attraktiver zu gestalten. Ein wichtiges Element dabei sei es, die Facharbeiterausbildung „Berufskraftfahrer“ weiter zu stärken und zu verbreiten. Gleichzeitig wurde betont, dass gerade das Fehlen von Karrieremöglichkeiten für Berufskraftfahrer erheblich zur geringeren Attraktivität des Berufes und damit zum Nachwuchsmangel beiträgt. An dieser Stelle sei ein Umdenken unausweichlich.

Durch den Workshop konnten die Inhalte der Diskussion auch zu den politischen Entscheidungsträgern getragen werden. So veranschaulichte der Geschäftsführer des VDA, Dr. Kay Lindemann, gegenüber Kirsten Lühmann (SPD) und Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) die Relevanz des Themas für die herstellende Industrie: „Die Anforderungen an Berufskraftfahrer haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt, ihre Aufgaben wurden umfangreicher und anspruchsvoller. Daher ist eine wirkungsvolle und praxisnahe berufliche Aus- und Weiterbildung für Kraftfahrer heute wichtiger denn je. Nur mit einem hohen Qualitätsanspruch dieser Aus- und Weiterbildung können die Sicherheit auf europäischen Straßen erhöht, die Beschäftigungsfähigkeit der Fahrer durch regelmäßige Schulung sichergestellt und letztlich auch das Image des Berufsfeldes positiv unterstützt werden.“

Unter den Experten herrschte letztlich große Einigkeit und Zuversicht darüber, dass trotz der zahlreichen Hürden im Bereich von Administration und Verwaltung das Ziel zugunsten einer qualitativ hochwertigen und europaweit vergleichbaren Aus- und Weiterbildung erreichbar sei. Immerhin wird es nur so möglich sein, den Kraftfahrerberuf auch weiterhin attraktiv zu gestalten. Und nur auf diese Weise, so das Fazit dieses Arbeitstages, werde man den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht.  


Weiterführende Informationen zum Workshop unter: www.bkf-fachtagung2013.de

Präsentation und weitere Materialien vom Workshop stehen zur Verfügung unter: http://www.moving-roadsafety.com/